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Indisches Kino anyone?

Diskutiere über indische Filme, Darsteller oder alles andere, das den Indien-Film-Fan interessiert.

Beitragvon Stefan Borsos am Mo, 20.08.2007, 22:22

Lei hat geschrieben:Was mich anfangs etwas gestört hat, ist die Tatsache, dass viele Filme wohl nachsynchronisiert werden. Aber das ist man ja von früher aus HK gewöhnt. :wink:
Liegt das daran, dass der Ton erst gar nicht "live" aufgenommen werden und die Schauspieler sowieso oft unterschiedliche Sprachen sprechen? Die Schauspieler reden am Set ihre Muttersprache und fürs Kino wird dann alles synchronisiert (z.B. Hindi)? Oder ist es einfach billiger so zu drehen?


Das würde mich auch mal interessieren. In Hongkong war und ist es, seitdem der Festlandmarkt in seiner Bedeutung stetig wächst, wieder so, dass auf Direktton häufig verzichtet wird, wenn Putonghua und Kantonesisch sprechende Schauspieler gemeinsam in einem Film auftreten. Es gibt zwar auch Ausnahmen - angeblich wurde CONFESSION OF PAIN gedubbt, nicht weil mit Xu Jinglei ein mandarinsprachiger Festlandstar dabei ist, sondern weil der Sounddesigner es so besser fand und Andrew Lau das genauso gesehen hat (scheinbar einer der Gründe, warum Alan Mak mit Andrew nicht mehr will) -, aber das Sprachen- bzw. Dialektproblem dürfte heutzutage der häufigste Grund für 'ne Synchro zu sein.

Ich dachte auch mal, dass es billiger und effizienter sein müsste, ohne Direktton zu drehen. Schließlich entfällt das leidige Problem mit der Tonangel oder äußeren Lärmeinflüssen, die ja gerade in Hongkong extrem sind, und auch bei Actionsequenzen dürfte es ein Vorteil sein. Mir hat aber dann jemand erzählt, dass es in den 60ern überhaupt kein Problem war, selbst Martial-Arts-Filme innerhalb von 7 Tagen mit Direktton herunterzukurbeln. Wie die Qualität dieser Aufnahmen war und inwieweit das beim heutigen Stand der Technik noch gilt, weiß ich nicht. In jedem Fall erstaunt es, dass das Hongkong-Kino erst so spät wieder zum Direktton zurückgefunden hat. Schließlich hatte sich im Laufe der 80er Jahre eine neue Generation von kantonesischen Darstellern etabliert, so dass zumindest die Sprache kein sooo gewichtiges Argument mehr hätte sein dürfen.

In Indien nun scheint es aufgrund der sprachlichen Grenzen zwischen den einzelnen Regionalkinos keinen regelmäßigen Austausch von Talenten zu geben. Das gilt zwar weniger für die Techniker (siehe z.B. Ram Gopal Varma oder Mani Ratnam, die sich zuerst im Telugu- resp. Tamil-Kino einen Namen gemacht hatten, bevor sie nach Mumbai gepilgert sind), aber wohl durchaus für Schauspieler. Ich weiß natürlich nicht, woher nun all die aktuellen Bollywood-Superstars stammen und ob da jeder fließend Hindi spricht, aber ich kenne vielleicht abgesehen von Aishwarya Rai zumindest keinen Tamil- oder Telugu-Star, der nach Mumbai gegangen wäre und sich dort durchgesetzt hätte. Obwohl ein Star durchaus mehrere indische Sprachen beherrschen mag, bleibt man abgesehen von einem Film hier, einem Film da offenbar gerne unter sich. Ein besonders großer regionaler Hit wird daher häufig nicht einfach gedubbt, sondern mit einheimischen Stars gleich neuverfilmt. Ratnam z.B. drehte von seinem Tamil-Film AAYITHA EZHUTHU zeitgleich eine Hindi-Version namens YUVA: Die gleiche Geschichte, auf die gleiche Weise erzählt, in fast den gleichen Einstellungen, mit denselben Songs, aber z.T. an anderen Schauplätzen gedreht und mit einer anderen Besetzung (einzig Esha Deol ist in beiden Filmen zu sehen). Letzten Endes würde mich auch mal interessieren, warum auch heute noch so häufig synchronisiert wird. Die Sprache scheint mir nicht der Hauptgrund zu sein. Was sonst?

Cheers,

Stefan
Zuletzt geändert von Stefan Borsos am Mi, 22.08.2007, 9:47, insgesamt 1-mal geändert.
Stefan Borsos
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Beitragvon Stefan Borsos am Di, 21.08.2007, 0:02

Sylvio Constabel hat geschrieben:@Stefan
Mit meiner Meinung stehe ich gewiß nicht allein da, weshalb ist es denn der Fall, daß die indischen Produktionen ein Nischendasein führen (in Dtl!)?


Mit meiner Meinung stehe ich gewiss auch nicht alleine da, aber was heißt das schon? (Wenn Du mit Zahlen jonglieren willst, kannst Du angesichts der Superlative, die das indische Kino und Kinopublikum auszeichnen, nur verlieren) Und beim Nischendasein wäre ich mir gar nicht sooo sicher. Zumindest, was TV und DVD angeht, läuft es doch für REM nicht schlecht. Die neueren japanischen Filme und Klassiker, die sie veröffentlichen, sind viel eher Nische als die Bollywood-Titel. Asien ist in Deutschland doch grundsätzlich Nische, egal, welches Land man sich anschaut, daran ändern auch Jackie Chan, John Woo und CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON nichts.

Warum schreibt denn niemand großartig darüber? Alles nur aus Unkenntnis, aus dem nicht vorhandenen Wissen heraus, daß solche Filme existieren? Ich denke nicht. Ich denke vielmehr, daß eben auch eine stattliche Anzahl von Reviewern (gibt's das Wort?) oder ähnlich Gesinnten nicht über diese Filme schreiben, weil sie sicherlich schon einige gesehen haben und diese eben nicht gut fanden. Dann wird man doch einen Teufel tun, und sich immer mehr seiner kostbaren Freizeit entledigen, um sich Filme dieses Genres anzuschauen.


Das ist Deine Interpretation. Ich weiß nicht, warum in den einschlägigen Magazinen und Seiten kaum berichtet wird. Aber das muss letztlich nichts heißen. Im filmwissenschaftlichen Bereich jedenfalls gibt es auch außerhalb Indiens seit Jahren eine rege Beschäftigung mit dem Thema; mit dem Schwerpunkt auf Bollywood zwar, aber immerhin.

Sieh es wie es ist, wenn man sich eine Meinung gebildet hat, ist es sehr schwer, aus diesem Käfig auszubrechen. Mit Geschmack hat das auch nur bedingt zu tun, ich persönlich kann z.B. mit Kitano respektive Miike-Filmen mal gar nichts anfangen, da werde ich auch immer gesteinigt. So viele andere Menschen mögen die Knaben nun mal, Geschmacksache? Sicherlich. Aber indische Filme nerven schon so viele Menschen, daß da etwas mehr als der pure Geschmack eine Rolle spielen muß!


Was denn? Ist der indische Film an sich böse? Nein, es geht nur um Vorurteile, persönliche Geschmäcker und Sehgewohnheiten. Gerade letzteres scheint mir besonders wichtig. Im Gegensatz zum HK-Kino, das unseren westlichen Sehgewohnheiten eher entgegenkommt, funktioniert das indische Mainstream-Kino nunmal anders als das US-Amerikanische. Vor allem die narrative Komponente (einschließlich der Songs) bietet, wie schon häufig vorgeschlagen wurde, eine Art Alternative zum Hollywood-Erzählstil. Es wird einfach auf andere Gesichtspunkte wert gelegt. Dinge wie Plausibilität und ein wie auch immer definierter Realismus z.B. stehen im indischen Populärkino nicht an erster Stelle. Das kann man mögen oder nicht, abqualifizieren und darüber spötteln sind meines Erachtens fehl am Platze.

Und ich persönlich denke auch nicht, daß ein Horrorfilm mit lustigen Tanz- und Gesangseinlagen noch ein Horrorfilm ist, denn zumindest für mich ist ein Horrorfilm zum gruuuseln da. Und da spielt es keine Rolle, aus welchem Land dieser Film kommt. Wenn dann gesungen und getanzt wird, ist der Ofen aus. Strikt am Thema vorbei, 6, setzen!


Tanz- und Gesangseinlagen sind mitnichten immer "lustig". Wie oben schon geschrieben, gibt es zudem unterschiedliche Strategien, die Songs in die Filme einzubauen. Letztlich ist das aber ohnehin nur eine Scheindebatte, denn das Horror-Genre nimmt im indischen Kino nun wirklich keinen zentralen Platz ein, so dass die meisten Filme, da kein Mainstream, häufig überhaupt keine Songs haben. Hier zeigt sich jedenfalls erneut, dass die Gleichung 3 Stunden Herzschmerz + bunte Bilder + Schauspieler mit Hang zum Pathos und Overacting + lustige Tanz- und Gesangseinlagen = indisches Kino nicht aufgeht. Ähnlich wie es DEN chinesischen Film nicht gibt, gar nicht geben kann, gibt es auch DEN indischen Film nicht.

Gute Nacht,

Stefan
Stefan Borsos
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Beitragvon Dragon12 am Di, 21.08.2007, 7:50

Das im Studio nachsynchronisert wird ist einfacher und billiger. Ganz simple.

Berühmtester Film mit Originalsound ist Lagaan.
Wer Interesse hat wie es dort beim Filmen zu ging, kann sich diese Bücher lesen

The Spirit of Lagaan (Paperback) by Satyajit Bhatkal
dazu dann seinen Dokumentarfilm Chale Chalo dazu (leider ohne Subs, aber wenn man das Buch gelesen hat, geht es)

und dann noch die "englische" Sichtweise zum Dreh
vom "bösen" Yardley

Balham to Bollywood by Chris England..bisserl trocken geschrieben, aber doch unterhaltsam

Wer einen Thriller ohne Song sucht, probierte es mit

Ek Hasina Thi aus 2004
DVD gibt es ab 9 Euro
Daniela

" Do not despise the snake for having no horns,
for who is to say it will not become a dragon ? "

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Beitragvon Kaz Kazui am Di, 21.08.2007, 11:52

Sylvio Constabel hat geschrieben:Mit meiner Meinung stehe ich gewiß nicht allein da

Nein, tust du nicht... unser Filmgseschmack ist ja, soweit ich das beurteilen kann, eigentlich so unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber hier stimme ich dir zu :wink:

Ich muss sagen ich habe nur einige der RTL2 Filme gesehen, bzw. sie angetestet (nach einer Stunde tat mir dann meistens der Kopf weh von diesem Farb- und Gesangsoverkill). Swades fand ich noch okay, andere Filme wie Dhoom (oder so) einfach nur selten dämlich. Gesangseinlagen in Filmen nerven mich sowieso grundsätzlich, das Fazit das ich dann daraus gezogen habe war: Bollywood ist doof. Ich habs versucht, es hat mir nicht gefallen, Ende der Geschichte.
Okay, sicher gibts ein paar gute indische Filme, aber ich habe jetzt auch keine wirkliche Motivation mehr den Markt dannach abzusuchen, schließlich gibt es genügend andere Alternativen die meinem Geschmack mehr entsprechen. Zudem interessiert mich Indien als Land auch nicht besonders, das kommt noch dazu.
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Beitragvon kami am Di, 21.08.2007, 11:58

Kaz Kazui hat geschrieben: Zudem interessiert mich Indien als Land auch nicht besonders, das kommt noch dazu.

Das geht mir ähnlich, ich bin bei Indien gerne ignorant. Solange aus Ländern, die mir kulturell näher sind, noch Filmnachschub kommt, muss ich mich auch nicht intensiv mit südindischem Kino befassen. Was nicht heißen soll, dass ich nicht zuweilen reinschauen werde, wenn sich die Gelegenheit bietet.
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Beitragvon Rapid Eye Movies am Di, 21.08.2007, 14:33

"Mit meiner Meinung stehe ich gewiß nicht allein da, weshalb ist es denn der Fall, daß die indischen Produktionen ein Nischendasein führen (in Dtl!)?"

Das geht imho allen anderen asiatischen Filmländern genauso...asiatisches Kino führt nunmal in Deutschland ein Nischendasein...dafür scheint der "Deutsche" an sich nicht sonderlich offen zu sein und es entspricht einfach nicht den ansozialisierten Sehgewohnheiten...ob indisch, japanisch oder HK, das merke ich immer wieder im
eigenen Freundeskreis.

"Aber indische Filme nerven schon so viele Menschen, daß da etwas mehr als der pure Geschmack eine Rolle spielen muß!"

Was einzig und allein am kulturellen Unterschied liegt und nicht an der Qualität der Filme...
wie gesagt die unterschiedlichen Sehgewohnheiten. Speziell das indische Kino ist schon "immer" in den nicht-westlichen Ländern der große Hit gewesen. Meine Eltern sind damit im Kino groß geworden und als ich neulich mal in einer Runde mit lauter alten/älteren Verwandten und Bekannten aus den einschlägig bekannten Ländern über meinen Job
und Bollywood erzählt habe, hab ich so eine krasse und schön emotionale Retro-Diskussion bei den Leuten ausgelöst, das ich jetzt BollywoodClassics Filmtipps
bis ins Jahr 2050 habe :-)

Also, auf der anderen Seite des Planeten sind die Hälfte der Menschheit ganz schön scharf auf das indische Kino und ich hoffe denen wirst du keinen schlechten Geschmack unterstellen.

Trotzdem versteh ich total deine Einstellung...alles bleibt eine Frage des Geschmacks...
meine Freundin haut mir Bollywood um die Ohren, wenn ich damit ankommen würde...
und wäre ich nicht ein wenig damit großgeworden...naja, dann hätte ich es auch etwas
schwer mich darein zu finden...

lg,
samir
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Beitragvon Josef K. am Di, 21.08.2007, 15:16

Ich stelle mal folgende kühne (und unüberprüfte) These auf:
Propotional zum kinematographischen Ausstoß gibt es kaum ein Land auf diesem Planeten, dass in unserem Kulturkreis weniger filmische Beachtung findet als Indien.

Wäre ja leicht zu überprüfen, wenn einem nur die entsprechenden Zahlen vorlägen - kann REM da zufällig aushelfen?

So gesehen würde ich auch in punkto "Nischendasein" Indien nicht in einen Topf mit anderen asiatischen Ländern werfen (höchstens mit Bhutan und Osttimor). Da entspricht doch z.B. das japanische Kino viel eher unseren "ansozialisierten Sehgewohnheiten" - ja sogar in der Weise, das gegenseitiger filmischer Einfluss stattfindet (von Shakespeare zu Kurosawa und postwendend zurück oder so ähnlich ;-)).

Wie ist das eigentlich umgekehrt? Welchen Stellenwert nimmt z.B. europäisches Kino in Indien ein? Weiß das zufällig jemand?


Cheers
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Beitragvon Rapid Eye Movies am Di, 21.08.2007, 15:51

@ Josef K.:
Ob Shakespeare/Kurosawa zu den heutigen Sehgewohnheiten gehört,
darüber lässt sich fürstlich streiten...vielleicht bei vielen, wie z.B. bei uns,
aber ich denke nicht, wenn wir von einer Masse sprechen.
Und ob Kurosawa wirklich als ein originär japanischer Auteur verstanden werden kann
oder doch eher eher "internationale Sehgewohnheiten bedient" hat, darüber lässt sich
wahrscheinlich ebenso fürstlich streiten...

Deswegen finde ich A.Kurosawa nicht unbedingt ein passendes Beispiel...
da finde ich aktuellere Beispiele wie KIM KI-Duk und sein verzweifelter Versuch sich mit der Frauenrolle (in der koreanischen Gesellschaft) auseinanderzusetzen passender.

Welche Zahlen meinst du genau?
Wie groß die "Fanbase" für indisches Kino in Deutschland ist?

PS: "Nollywood" übertrifft "Bollywood" bestimmt an Aufmerksamkeitsmangel in Deutschland:)
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Beitragvon Stefan Borsos am Di, 21.08.2007, 15:53

Josef K. hat geschrieben:Ich stelle mal folgende kühne (und unüberprüfte) These auf:
Propotional zum kinematographischen Ausstoß gibt es kaum ein Land auf diesem Planeten, dass in unserem Kulturkreis weniger filmische Beachtung findet als Indien.


Ich weiß nicht so recht, könnte aber schon stimmen. Die Verkaufszahlen einiger, sicherlich nicht aller indischen Mainstream-DVD-Releases sprechen allerdings, soweit ich gehört habe, eine andere Sprache. Ich würde eher auf Japan tippen. Hängt aber natürlich auch davon ab, an was man "filmische Beachtung" festmacht. DVD-Verkäufe, Einspielergebnisse, Fernsehausstrahlungen, Präsenz auf Filmfestivals, Beachtung in Filmzeitschriften, Fans? Schwierig.

So gesehen würde ich auch in punkto "Nischendasein" Indien nicht in einen Topf mit anderen asiatischen Ländern werfen (höchstens mit Bhutan und Osttimor).


Ich weiß gar nicht, ob ich Indien überhaupt als ein Land, eine Filmnation begreifen würde, macht man ja mit VR China und Hongkong auch nicht (und das liegt nicht am SVR-Status HKs). Nach Regionalkinos aufgeteilt wäre die Sachlage vielleicht klarer. Bollywood würde wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht abschneiden, Tamil-, Telugu-, Kannada- oder Malayalam-Kino hingegen katastrophal.

Da entspricht doch z.B. das japanische Kino viel eher unseren "ansozialisierten Sehgewohnheiten" - ja sogar in der Weise, das gegenseitiger filmischer Einfluss stattfindet (von Shakespeare zu Kurosawa und postwendend zurück oder so ähnlich ;-)).


Würde ich nicht unterschreiben, das japanische Kino unterscheidet sich gerade in seiner Bildästhetik stark vom US-Erzählkino (vorausgesetzt natürlich, dass Hollywood und nicht europäisches Kunstkino der Bezugspunkt ist). Kurosawa ist natürlich nicht unbedingt der typischste aller japanischen Regisseure. Und Shakespeare-Verfilmungen haben auch in Indien eine lange Tradition :-)

Wie ist das eigentlich umgekehrt? Welchen Stellenwert nimmt z.B. europäisches Kino in Indien ein? Weiß das zufällig jemand?


Außerhalb der Filmfestivals? Ich würde sagen: gar keinen! Ähnliches gilt für den Hollywood-Mainstream. Wie ich kürzlich gelesen habe, sieht's dieses Jahr zwar besser aus - einige der Sommerblockbuster waren überraschend erfolgreich -, der Marktanteil liegt, glaube ich, aber immer noch unter 10% (könnten sogar noch weniger sein).

Cheers,

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Beitragvon Josef K. am Di, 21.08.2007, 16:28

Rapid Eye Movies hat geschrieben:@ Josef K.:
Deswegen finde ich A.Kurosawa nicht unbedingt ein passendes Beispiel...

Naja, fand ich passend wegen des europäischen Einflusses auf Kurosawa und umgekehrt. Aber von mir aus nimm die diversen (gegenseitigen) Remakes, oder ganz allgemein die filmischen Ähnlichkeiten (thematisch, stilistisch). Da gibts doch wesentlich stärkeren Bezüge zu HK, Japan, China, Thailand, Korea usw. als man dies beim indischen Film vorfindet.
Rapid Eye Movies hat geschrieben:Welche Zahlen meinst du genau?
Wie groß die "Fanbase" für indisches Kino in Deutschland ist?

Der Einfachheit halber teilen wir einfach die Gesamtzahl der in Deutschland (oder Europa, oder der westlichen Welt) verkauften DVDs durch die Gesamtzahl aller im jeweiligen Land produzierten Filme. Die von Stefan genannten Faktoren gehören zwar auch dazu, aber wir wollens mal nicht zu kompliziert machen. ;-)
Stefan Borsos hat geschrieben:Ich weiß gar nicht, ob ich Indien überhaupt als ein Land, eine Filmnation begreifen würde, macht man ja mit VR China und Hongkong auch nicht (und das liegt nicht am SVR-Status HKs). Nach Regionalkinos aufgeteilt wäre die Sachlage vielleicht klarer. Bollywood würde wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht abschneiden, Tamil-, Telugu-, Kannada- oder Malayalam-Kino hingegen katastrophal.

Ok, hast Recht - da sollte man schon differenzieren, aber ich glaub selbst Bollywood gibt (wohlgemerkt proportional betrachtet) diesbezüglich ne recht schlechte Figur ab.
Stefan Borsos hat geschrieben:Würde ich nicht unterschreiben, das japanische Kino unterscheidet sich gerade in seiner Bildästhetik stark vom US-Erzählkino (vorausgesetzt natürlich, dass Hollywood und nicht europäisches Kunstkino der Bezugspunkt ist). Kurosawa ist natürlich nicht unbedingt der typischste aller japanischen Regisseure. Und Shakespeare-Verfilmungen haben auch in Indien eine lange Tradition.

Es geht auch nicht darum welcher Regisseur "typisch" ist, sondern welcher "prägend" ist. Abgesehen davon hab ich ja nicht behauptet, dass japanisches und europäisches oder US-Kino identisch sind. Die Parallelen sind nur merklich ausgeprägter, als dies beim indischen Film der Fall ist. Oder würdest Du das anders sehen?

Cheers
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Beitragvon Stefan Borsos am Di, 21.08.2007, 16:56

Josef K. hat geschrieben:Es geht auch nicht darum welcher Regisseur "typisch" ist, sondern welcher "prägend" ist. Abgesehen davon hab ich ja nicht behauptet, dass japanisches und europäisches oder US-Kino identisch sind. Die Parallelen sind nur merklich ausgeprägter, als dies beim indischen Film der Fall ist. Oder würdest Du das anders sehen?


Nun, ja, in gewisser Hinsicht schon. Obwohl das japanische Kino zweifellos auch von westlichen Kinotraditionen beeinflusst ist, wirken sich gewisse eigene Kulturtraditionen (z.B. das Theater) bis heute auf die Bildästhetik aus, man denke z.B. an den häufigen Verzicht auf die Shot-Reverse-Shot-Strategie, die so zentral für's US-Kino ist, oder der ebenfalls recht häufige Verzicht auf Nahaufnahmen zugunsten von Totalen. Zumindest mit dem klassischen Hollywood-continuity-Stil hat das herzlich wenig zu tun. Andererseits sind indische Filme (nicht nur das bengalische Kunstkino, sondern auch Mainstream-Filme) der 50er und 60er Jahre stark vom Neorealismus geprägt. Auch hier zeigt sich aber letzten Endes vor allem eins: dass Generalisierungen nicht besonders hilfreich sind. Aktuelle japanische Blockbuster, die ja momentan den koreanischen Importen das Leben schwer machen, sehen nicht viel anders aus als US-, HK- oder eben Korea-Blockbuster. Und die sozialrealistischen indischen Filme sind andererseits im Mainstream heute so gut wie ausgestorben.

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Beitragvon FOX-HOUND am Mi, 22.08.2007, 16:05

Josef K. hat geschrieben:Es geht auch nicht darum welcher Regisseur "typisch" ist, sondern welcher "prägend" ist. Abgesehen davon hab ich ja nicht behauptet, dass japanisches und europäisches oder US-Kino identisch sind. Die Parallelen sind nur merklich ausgeprägter, als dies beim indischen Film der Fall ist. Oder würdest Du das anders sehen?


Also ich sehe das nicht umbedingt so. Ich denke schon, dass sich das japanische Kino vom europäischen vergleichbar unterscheidet, wie das indische vom europäischen. Nur sind indisches Kino und japanisches nur schwer vergleichbar(wie ich finde). Es unterscheiden sich z.B. die Erzählweise voneinander und auch die Machweise bzw. filmische Umsetzung ist eine andere. Was die Bollywoodfilme nach außen hin am meisten unterscheidet sind die Tanz- und Gesangseinlagen.
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Beitragvon Josef K. am Mi, 22.08.2007, 16:23

Also wenn meine o.g. These zutrifft, muss es ja einen Grund dafür geben, dass indische Filme hierzulande so wenig Anklang finden (und umgekehrt europäische Filme in Indien, wie Stefan jedenfalls bestätigt hat). Welche Erklärung habt Ihr denn dafür, wenn es nun nicht auf die mangelnde filmische Kompatibilität zurückzuführen ist?

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Beitragvon Josef K. am Mi, 22.08.2007, 18:57

So Freunde, zumindest für den Filmmarkt Österreich kann ich meine These schon mal mit etwas Zahlenmaterial untermauern:

Filmproduktionen 2005 (Quelle: "World Film Production", Screen Digest Juni 2006)
Indien: 1041
USA: 1035
Japan: 356
China: 260
Deutschland: 103
Korea: 82
Hong Kong: 55
Thailand: 39

(hab nur die relevanten Länder rausgepickt)

Herkunftsländer und deren Besucherzahlen für Österreich 2005 (Quelle: Filmwirtschaftsbericht Österreich "Facts & Figures 05", Österreichisches Filminstitut)
Indien: 2912
USA: 10995238
Japan: 30357
China: nicht aufgeführt
Deutschland: 1165946
Korea: 879
Hong Kong: 89838
Thailand: 17615

Jetzt muss man natürlich zugeben, dass diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind. Zum einen handelt es sich um Österreich (winzig und unbedeutend), zum anderen ergeben sich die Zahlen teilweise aus nur wenigen Filmen pro Land, was im Jahresvergleich derbe Schwankungen vermuten lässt (ohne Howl‘s Moving Castle wäre Japan z.B. bloß auf 7000 Besuche gekommen!!!), überdies werden Einnahmen aus Verleih und DVD-Verkäufen sowie Fernsehausstrahlungen nicht berücksichtigt. Für Deutschland oder Europa konnte ich derlei Zahlen auf die Schnelle leider nicht auftreiben.

Aber trotzdem: vergleicht man Indien mit Japan, stellt man fest, dass japanische Filme gegenüber indischen gut 10-mal erfolgreicher waren, und das obwohl der indische Gesamtausstoß ca. 3-mal größer als der japanische ist. Proportional gesehen ist der japanische Film also um gute 3000% beliebter als der indische (zumindest 2005 im Ösi-Kino).

Cheerio
Josef K.

PS: In der erstgenannten Studie gabs noch was Interessantes: Der indische Filmmarkt wird zu 94,1% von inländischen Filmen dominiert (bestätigt eindrucksvoll Stefans Aussage). Da kommen mit 93,4% nur die USA mit. Danach kommt lange nichts (China 60%, Korea 57%, Japan 41%, Thailand 35%, HK 31%...Deutschland 17%...Österreich 2% ;-)).
Josef K.
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Beitragvon FOX-HOUND am Do, 23.08.2007, 10:21

Josef K. hat geschrieben:Proportional gesehen ist der japanische Film also um gute 3000% beliebter als der indische (zumindest 2005 im Ösi-Kino).


Es ist zumindestens um ca. 96% erfolgreicher :) .
Das mit den Filmproduktionen pro Land und den Besucherzahlen unterstützt zwar deine These mit der Proportionalität, aber nicht, dass es zwischen europäischen und indischen Filmen mehr Unterschiede gibt als zwischen europäischen und japanischen. Vielleicht sind die Unterschiede nur unterschiedlich zu "verkraften". Solche Zahlen bringen nicht viel, denn sie machen (wie du selber schon festgestellt hast) zu wenig Aussagen(Wieviele von den produzierten Filme kommen den nach Österreich?). Ich weiß nicht ob die Beliebtheit von z.B. Korea-Produktionen steigen würde wenn die nun auch 1000 Filme im Jahr produzieren würden(und könnten). Ein Grund für die Beliebtheit könnte z.B. auch im kulturellen Interesse liegen oder auch an Galleonsfiguren. So machen z.B Bruce Lee, Jet Li oder Jacky Chan die Welt in gewisser Weise auf Hong Kong aufmerksam und Japan dürfte u.a. auch vom Manga-/Animee-Boom profitieren(bzw. entsteht dadurch vielleicht auch ein Interesse an der ostasiatische Filmkunst, wo Indien nicht mehr dazugehört).
Vielleicht gewöhnt sich das internationale Kino auch nur leichter an das japanische als an das indische, was dann deiner Vermutung entgegenkommt.
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